B4 am 28.07.2010
Rettung aus der Feuerhölle
Ein Wohnhaus in Zell steht nachts in hellen Flammen. Eine fünfköpfige Familie kann sich unverletzt retten und ist nun ohne Obdach.
Zell - Ein Raub der Flammen wird in der Nacht zum Mittwoch ein Einfamilienwohnhaus in der Unteren Hangstraße in Zell. Das Feuer verursacht einen Sachschaden in Höhe von 200 000 Euro und macht die fünfköpfige Familie Grünzig obdachlos. "Wir wissen nicht, wie's weitergeht", sagt Familienvater Hans.
Ein nur wenige Häuser entfernt wohnender Nachbar entdeckt am Mittwoch kurz vor 1.30 Uhr den brennenden Dachstuhl und alarmiert sofort Polizei und Feuerwehr. Anschließend läuft er zum brennenden Haus und klingelt Hans und Maria Grünzig, die mit dreien ihrer sechs Kinder dort wohnen, aus dem Schlaf. Zwei der Kinderzimmer und das Elternschlafzimmer befinden sich im Dachgeschoss, aus dem bereits die Flammen schlagen.
Sofort hellwach wird durch das stürmische Klingeln der 21-jährige Sohn Florian, dessen Zimmer im Keller des Hauses liegt. Er erkennt die gefährliche Lage und bewahrt kühlen Kopf. "Es brennt, es brennt", ruft er lautstark durchs Haus und treibt zur Eile an. Sein Vater Hans stürmt in die Kinderzimmer, um die 16-jährige Laura und den 13-jährigen Sohn Fabian aufzuwecken. "Es hätte keine fünf Minuten später sein dürfen, sonst wäre unser Sohn aus dem brennenden Haus nicht mehr herausgekommen", sagt Vater Hans. "Sein Zimmer liegt genau in der Ecke, von der aus sich das Feuer durch das Dach gefressen hat."
Nachdem Frau und Kinder sowie die zwei Hunde - glücklicherweise unbeschadet - das Haus verlassen haben, fahren Vater Hans und Sohn Florian die vor Haus und Garage und in der Garage stehenden drei Autos weg. Bei einem hat ein vom Hausdach herabstürzender Ziegel bereits die Windschutzscheibe zertrümmert. Die beiden Männer rollen dann den Gartenschlauch aus und versuchen den ebenfalls in Flammen stehenden Container, der zwischen Wohnhaus und Garage steht, zu löschen. Vergebens: es ist zu wenig Wasser für die gewaltigen Flammen. In dem Container befinden sich unter anderem alte Matratzen und ein Sofa. "Aber nichts, das sich selbst hätte entzünden können", bekräftigt Hans Grünzig.
Die Ermittlungen der Kriminalpolizei sind zwar noch nicht abgeschlossen, aber der 52-jährige Familienvater geht davon aus, dass just von diesem Container das ganze Unglück ausgegangen ist. Grünzig spricht ganz offen von Brandstiftung.
"Probleme beim Löschen"
Fünf Minuten nach ihrer Alarmierung, die laut Kommandant und Einsatzleiter Michael Lauterbach um 1.27 Uhr eingegangen ist, sind die Kameraden der Feuerwehr Zell vor Ort. Mit einem ihrer Tanklöschfahrzeuge (das zweite ist gerade zur Reparatur) nehmen sie einen ersten Löschangriff vor. Von einem nahe gelegenen Unterflurhydranten werden das Löschfahrzeug gespeist und zwei weitere Löschleitungen aufgebaut.
An einem weiteren Hydranten mühen sich die Kameraden (vorerst) vergebens ab. Der Deckel ist so festgefahren, dass es geraume Zeit braucht, bis er geöffnet werden kann. Für Hans Grünzig und seinen Sohn Florian geht damit wertvolle Zeit verloren. Für Kommandant Michael Lauterbach war der Erfolg des Einsatzes davon nicht abhängig, da zwischenzeitlich auch die Tanklöschfahrzeuge aus Sparneck und Münchberg vor Ort waren. Die Münchberger Kameraden seien zudem mit ihrer neuen Drehleiter in Zell gewesen und hätten das Feuer gezielt von oben aus bekämpft. Beeinträchtigt worden seien die Löscharbeiten lediglich durch die große Rauchentwicklung. Deshalb seien die Wehren aus Gefrees und Weißdorf mit ihrem schweren Atemschutz nachalarmiert worden.
"Von vornherein ist klar gewesen, dass es eines massiven Löschangriffs bedarf, um das Feuer unter Kontrolle zu bringen, nachdem bei unserem Eintreffen Container, Garage und der Dachstuhl des Wohnhauses in Flammen standen und diese sich rasend schnell ausbreiteten", berichtet Einsatzleiter Lauterbach weiter. Deshalb hätten die nachrückenden Wehren zwei Leitungen von rund 600 Meter entfernt liegenden Fischteichen aufgebaut.
Glutnest flackert auf
Exakt um 2.34 Uhr war laut seiner Aussage das Feuer gelöscht. Die Familie Grünzig verbrachte den Rest der Nacht bei in der Nähe wohnenden Verwandten. Zurück blieben Zeller Kameraden, um Brandwache zu halten. Mit der erst vor Kurzem erworbenen Wärmebildkamera wurden regelmäßige Kontrollen durchgeführt, um ein eventuelles Aufflackern des Feuers zu verhindern. Und tatsächlich: kurz vor 6 Uhr war der Einsatz eines Atemschutztrupps notwendig, um ein Glutnest im Dachgeschoss aufzudecken. Kurz vor 8 Uhr übergab die Zeller Wehr den Brandherd der Hofer Kriminalpolizei, die nun die Brandursache ermitteln.
Gleich nach Beendigung der Löscharbeiten war das Auto des Sohnes, das unmittelbar neben dem Container abgestellt war, bei Nachbarn untergestellt worden. Laut Hausbesitzer Hans Grünzig waren "verdächtige Spritzer" bemerkt worden. Ob es sich tatsächlich um Brandstiftung handelt, werden die Untersuchungen der Kripo zeigen.
Die Einsatzkräfte
Neben der Zeller Feuerwehr waren Wehren aus Münchberg, Gefrees, Sparneck, Weißdorf, Bug-Oppenroth, Reinersreuth, Kleinlosnitz, Walpenreuth, Friedmannsdorf und Großenau mit insgesamt 105 Hilfskräften sowie die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung aus Helmbrechts, Kreisbrandmeister Wolfgang Bessert, Kreisbrandinspektor Bernd Hohenberger im Einsatz. Der Rettungsdienst war zudem mit zwei Fahrzeugen und einem Einsatzleiter vor Ort.
Text: Frankenpost,(Ergänzt FF Zell)
